Briefe von Drüben

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Kleine Englandkunde

Hello again!

Tut mir Leid, aber ich glaube, es ist schon eine ganze Zeit her, seit ich mich letztmals gemeldet habe. Es gab aber auch nicht allzu viel zu berichten. Im Allgemeinen liegt Alltagstrott an. Die Wochenenden werden in London (vorzugsweise im „Red Lion“, unserem neuen Lieblingspub) und Watford verbracht und sind mittlerweile auch ziemlich routiniert. Anders gesagt: Es ist zwar einiges los, aber es gibt nichts wirklich Neues zu berichten.

Ein kurzer Ausflug ist vielleicht noch erwaehnenswert: Vorletzten Montag waren Niklas, Ruediger und ich in Wembley und haben uns das unfertige Stadion angeschaut. Ist schon ziemlich beeindruckend. Allerdings ist es trotzdem ziemlich peinlich, dass die das Teil jetzt wahrscheinlich irgendwann zum Ende des Jahres eroeffnen werden, obwohl der letzte November als Eroeffnungsdatum vorgesehen war. Ein Grund dafuer ist uebrigens, dass angeblich die Haelfte der Arbeiter da den ganzen Tag bekifft ist, wenn man den „Channel 4 News“ glauben schenken darf. Wahrscheinlich gibt’s da na ganze Dealer-Kleinindustrie, nur um die Wembley-Arbeiter zu versorgen.

Jedenfalls sind wir anschliessend nach Neasden (20 Min. per Bus entfernt) zum groessten hindu-Templer ausserhalb Indiens gefahren. Der Tempel ist erst vor knapp zehn jahren eroeffnet worden und ist echt sehr beeindruckend. Von aussen verschnoerkelter Sandstein, von innen verschnoerkelter Marmor und poliertes Edelholz. Hat mir sehr gut gefallen. Leider durfte man drinnen keine Fotos machen, was ich natuerlich respektiere. Auf dem Rueckweg haben wir dann bei IKEA angehalten und erstmal lecker was gegessen und unnoetige Sachen gekauft.

Gestern haben wir einen kleinen innerwoechentlichen Besuch in Central gemacht, genauer gesagt im „Walkabout“ and der Shaftesbury Avenue. War auch mal ganz nett und ich war heute morgen auch voellig fit, weil ich schon um halb eins zuhause war. Kann man eigentlich oefter mal machen.

Mehr habe ich auch gar nicht zu berichten. Vielleicht sollte ich diesen Eintrag dazu verwenden, meine Beobachtungen ueber Land und Leute ein wenig zu vertiefen.

Zunaechst einmal die positiven Seiten Englands und vor allem Londons:

1. Ich liebe die englische Pubkultur. Jeder geht hier in Pubs: Junge, hippe Studenten, alte Herren, die im Kreis am Tisch sitzen und ihr Ale schluerfen, Gruppen von Ladies im Nichtraucherbereich mit Weinglaesern vor sich, Mittdreissigerinnen, die ein Maedels-Treffen machen, Anzugtraeger, die nach der Arbeit der Rushhour in der Tube entgehen wollen und noch kurz auf ein, zwei Lager einkehren... Jeder eben. Zumindets jeder, der aelter als 18 ist. Die meisten Pubs sind urgemuetlich und die Atmosphaere ist immer sehr gut.

2. London hat kulturell unglaublich viel zu bieten. Alle Museen sind umsonst und fantastisch ausgestattet. Im West End gibt es geschaetzte 500 Theater – naja, eher so 30, aber trotzdem... Ich hab zwar noch kein Theaterstueck gesehen, aber das kommt sicherlich noch.

3. Die Englaender sind unterm Strich echt ein freundliches Voelkchen. Zwar gibt es hier auch schwarze Schafe, vor allem unter den durchschnittlichen SUN-Lesern, aber das ist ja in D nicht anders. Bestes Beispiel war letztes Jahr in Watford an einem Samstagabend: Zwei bullige taetowierte und angetrunkene Englaender hatten gehoert, dass wir Deutsche sind (wir waren zu fuenft unterwegs) und sprachen uns an. Wie geht die Geschichte weiter? Nein, wir wurden nicht angepoebelt und verpruegelt. Wir gaben uns gegenseitig ein Runde nach der anderen aus und unterhielten uns ueber Fussball. Echt nette Kerle.

4. Die BBC ist grossartig. Da koennen sich unsere Oeffentlich-Rechtlichen mal ein Beispiel dran nehmen. Die Qualitaet des Programms ist sehr hoch. Es gibt grandiose Dokumentationen (besser als fast alles, was in D produziert wird). Sie haben gute Unterhaltungsshows, die nur selten so grenzwertig daemlich sind wir der Musikantenstadl mit unser aller Liebling-Italiener-Hasser Karl Moik. Die BBC hat immer noch die Rechte an einigen CL-Spielen und sowieso an allen internationelen Spielen, sowie an der Rugby Union und vielem anderen. Fuer ein ausgewogenes Sportprogramm ist also auch gesorgt. Alles in Allem sind BBC 1 und 2, die ich empfangen kann, sehr sehr gut.

5. Irgendwie mag ich mittlerweile die charmanten kleinen Marotten und Traditionen der Englaender. Ich kann jetzt irgenwie verstehen, warum sie alle ihre Queen so lieben. Es ist echt lustig, die Members of Parliament in ihrem ueberfuellten House of Commons sitzen zu sehen und sich gegenseitig zu veraeppeln. Es ist herzallerliebst zu sehen, wie sehr sie ihre zwar recht huebsche, aber auch nicht allzu spektakulaere „Countryside“ vergoettern. Man merkt einfach, dass es sich um einen kleinen Inselstaat handelt, der vor 150 Jahren ein riesiges Reich aufgebaut hatte, immer noch unter dem Verlust der Kolonien leidet und unterschwellig gerne immer noch der Chef der Welt waere. Aber auf ne nette Art.

Nun zu der eher schlechten Seiten:

1. Das Geruecht ist wahr: Der Durchschnittsangelsachse legt nicht allzu viel Wert darauf, gut kochen zu koennen. Zwar gibt es hier mehr TV-Koeche als in Deutschland (Jamie Oliver ist nur die Spitze des Eisbergs!), aber irgendwie hab ich noch nichts davon im Alltagsleben bemerkt. Das macht die Sache um so schlimmer. Staendig sieht man im Fernsehen leckere Sachen, aber in der Schulkantine wird man dann tagtaeglich wieder auf den Boden der Tatsachen zurueck geholt...

2. Das tolle am Gesundheitssystem hier ist, dass es quasi gratis fuer alle ist. Der monatliche Beitrag (National Health Service – funktioniert im Prizip wie ne Steuer) ist relativ gering und darueber hinaus muss man nix mehr zahlen. Dafuer ist der Service selbst aber auch unter aller Sau. Wenn man eine Operation benoetigt, die nicht allzu eilig ist (irgendjemand hatte mir hier vom Beispiel seiner Knieoperation erzaehlt), dann wird man auch gerne mal ein halbes Jahr oder laenger nach hinten verschoben. Es dauert ja schon ewig, einen Termin beim GP (General Practitioner – sowas wie ein Hausarzt) zu bekommen. Der Zahnarzt ist nicht mit drin und muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Deshalb haben hier viele Leute (sogar Fernsehmoderatoren) ganz schlimm schiefe Zaehne. So etwas wie Augenaerzte gibt es auch nicht - Macht alles der Optiker. Da ist mir das deutsche System doch irgendwie lieber...

3. Der Oeffentliche Nahverkehr ist nicht annaehernd so gut wie in D. Am Anfang war es ja noch irgendwie cool mit der legendaeren „Tube“, der London Underground zu fahren. Mittlerweile ist es nur noch aergerlich. Andauernd fallen irgendwelche Linien aus, zur Rush Hour gibt es grundsaetzlich immer Verspaetungen und im Sommer herrschen in den Roehren kuschelige 40 Grad. Ne Klimaanlage gibt’s naemlich nicht.

4. Die ganzen Extrawuerste der Briten gehen mir etwas auf den Senkel: Man faehrt und geht links, misst in feet, miles, inches, stone, puond und anderen krummen Masseinheiten (auch wenn man hier schleichend versucht, das metrische System einzufuehren) und ausserdem bezahlt man noch nicht mit dem Euro, falls das jemand noch nicht mitbekommen haben sollte. Allerdings ist das £ auch irgendwie cool. Ueberall ist Lisbeths Kopp drauf und wenn die mal den Loeffel abgibt, muss man alles neu drucken.

So. Das sind so die auffaelligesten Beobachtungen der letzten Monate. Ich werd jetzt nochmal ein wenig unterrichten, schliesslich liegen bald die muendlichen Pruefungen an und die Jungs brauchen mehr Hilfe als sonst. Das bedeutet zwar mehr Stunden als ich eigentlich machen muss, macht aber auch deutlich mehr Spass. Man hoert voneinander! --- Huch, der Eintrag war ja doch recht lang.---

Peter

PS: Habe gerade erfahren, dass ich schon wieder eine Zusage fuer eine Referendariatsstelle beim Kultusministerium absagen kann... Jetzt waere es nach Stadthagen gegangen. Naja, was soll’s.

8 Kommentare 9.3.06 14:41, kommentieren

Besuch Besuch Besuch

Hach!

Die Sonne scheint und prophezeit mir (mit zwei Tagen Verspaetung) den Fruehlingsanfang, nebenan swingt das Schulorchester froehlich vor sich hin, in einer Woche sind Ferien, bald kommt die Familie zu Besuch und ueberhaupt und sowieso bin ich gut drauf.

Gestern haben mich meine Gaeste Jens und Steffi wieder verlassen, um in ihren grauen Alltag nach Deutschland zurueck zu kehren, waehrend ich noch zwei Monate in England vor mir habe... So kann’s gehen
Ist schon beeindruckend, was man in sieben Tagen in London alles schaffen kann, wenn man sich ein wenig Muehe gibt. Die beiden haben folgendes besucht und unternommen:

- das Natural History Museum
- das Science Museum
- des British Museum
- alle Attraktionen, die man gut zu Fuss abklappern kann (Big Ben und die Houses of Parliament, Buckingham Palace, Picadilly Circus, Trafalgar Square, Whitehall mit Downing Street, Hyde Park und alles auf dem Weg dazwischen)
- die Nationalgalerie
- Greenwich und das Royal Observatory
- das Imperial College
- eine Fahrt mit dem London Eye
- St. Paul’s
- die Tate Modern und die Millenium Bridge (mit einem kleinen Schlenker an Shakespeare’s Globe Theatre vorbei)
- eine Tagesfahrt nach Canterbury inklusive einem Besuch in der dortigen Kathedrale und einem Abstecher zur Nordseekueste in Whitstaple
- das Museum of London
- diverse Pubs am Abend
- ein Restaurant in China Town

Mehr faellt mir gerade nicht ein. Wenn ich was vergessen habe, sag doch mal eben Bescheid, Jens!

Ich war in unter anderem in Canterbury mit dabei und muss sagen, dass diese uralte Kathedrale ziemlich beeindruckend ist. Wenn ich recht informiert bin, sollten alle von euch, die „Die Saeulen der Erde“ gelesen haben, mit dem Gebaeude vertraut sein. Das ganze Gelaende ist riesig und man hat wirklich einen tollen Eindruck vom Alter und vor der historischen Bedeutung des Ganzen. Anschliessend waren wir dann noch in Whitstaple an der Kueste und obwohl der kleine Ort eher etwas schaebig war, war es schoen, mal wieder am Meer zu sein und in einem netten Pub/Restaurant Tintenfischringe zu essen (lecker frisch!).

Desweiteren habe ich durch einen Freund von Jens, mit dem wir an einem Abend in London unterwegs waren, eine sehr coole und hierzulande sehr beliebte japanische Schnellrestaurantkette kennen gelernt: Wagamama. Die Atmosphaere in den Laeden ist sehr gemuetlich, obwohl man aufgereit an Baenken sitzt (fast ein wenig wie in einem Oktoberfestzelt). Das Essen ist genial und sehr schnell fertig. Natuerlich gibt es nur japanische Nudelgerichte, Suppen und Sushi und die Preise lassen es nicht zu, dass man allzu regelmaessig dort hin geht, aber ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal dort gewesen. Man sollte Wagamama allerdings meiden, wenn man nicht mit Staebchen essen kann... Jens hat sich ein paar Tage spaeter das dazu gehoerige Kochbuch gekauft, um zuhause mal das eine oder andere Gericht auszuprobieren.

So. Uebermorgen ist auch schon wieder Wochenende und naechste Woche sind 16 von meinen 20 Zwoelftklaesslern auf einem Austausch in Mainz, sodass ich noch weniger Arbeit habe. Die Woche drauf sind dann Osterferien. Aber das heisst nicht, dass es dann langweiliger zugeht, da uns in den naechsten paar Wochen weiterer Besuch diverser Freunde und Familienmitglieder bevorsteht (sowohl von mir als auch von Niggl). Darauf freue ich mich schon sehr.

Also dann, einige sehe ich bald, die anderen etwas spaeter, allen aber auf jeden Fall noch ne schoene Restwoche und ein grandioses Wochenende!

Peter

6 Kommentare 23.3.06 14:26, kommentieren

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